Donnerstag, 25. Juni 2015

Das Meer.... und ich

Wie beginnt man einen "Liebesbrief", den man niemals absenden wird? Einen Post, den der (eher DAS) Betreffende niemals lesen wird und der einfach nur ins Blaue hinein gedacht ist, um Gefühle zu "Papier" zu bringen? Gute Frage...

Ich werde es versuchen, denn es liegt mir so viel daran wenn ich hier stehe: am Meer.

Nicht irgendein Meer, nicht zum ersten Mal und auch sicher nicht zum letzten Mal das Wunder, das ich immer wieder bestaune: der Atlantik.

Ich höre seit Wochen nun schon täglich und vor allem allabendlich beim Zubettgehen das sanfte Rauschen der Wellen, blicke morgens als erstes auf das klare Blau der Wogen, die an den Strand rollen und erfreue mich an jeder einzelnen tosenden und brechenden Welle, die es hergibt. Jeden Tag aufs Neue und insgesamt nun schon seit 36 Jahren. Nicht ein Jahr ist vergangen, in dem ich nicht an seinen Fluten gestanden und begeistert auf es hinaus geschaut hätte. Es gehört zum Wohlfühlen und meinem Leben - ich liebe es einfach.

Da kam mir gestern der Gedanke, einfach mal danke sagen zu müssen. Danke für das Gefühl, das dieses Wasser (denn mehr ist ja eigentlich nicht) in mir auslöst. Danke für die vielen Stunden, die ich schon an seinem Ufer gestanden, mir die Seele aus dem Leib geweint, geredet und in Stille gesessen habe. Stunden, in denen ich als Kind kopflos umhergetappt bin, getobt und hineingesprungen in die Fluten und die zurück gebliebenen Becken der Ebbe, Stunden als Teenie mit Lagerfeuer am Strand und ersten Begegnungen mit Jungs, Stunden als junge Frau, in denen ich "mein Meer" mit Menschen zu teilen begann, die mir am Herzen lagen und nun  Stunden als Mutter, in denen ich meine Kinder beobachten darf, wie sie die selbe Leidenschaft leben, teilen und in ihr aufgehen.
Ich hoffe sehr, dass sie meine Liebe zum Meer weiter tragen, dass sie sie teilen, leben und genießen... so wie ich es tue. Danke, Du mein Atlantik.

Woher kommt sie nur, diese Liebe, dieses "Hingezogenensein" zum Ozean, der doch eigentlich nichts anderes ist als ein weites, tiefes Gewässer? Ich kann es - wie so vieles, was Gefühle anbelangt - gar nicht erklären. Ich weiß nur, dass mich das unendlich Scheinende, das Gewaltige und doch Sanfte, das schier ewige und unergründliche Meer stets begeistert, fasziniert und bewegt hat. Ich hatte immer das Gefühl, anzukommen wenn ich an seinen Ufern stand. Ich habe stets den Drang verspürt, mit ihm zu reden, denn ich wusste um seine Verschwiegenheit und darum, dass alles was ich bei ihm lasse, sicher ist. Niemand würde je erfahren, welche Geheimnisse ich hier los wurde, welche Worte, Ängste und Versprechen ich hinein legte in die Wellen, die da sanft an den Strand rollten oder hart an die Felsen krachten und alles in sich aufsogen, was ihnen unter kam.

Das Meer war immer da. Immer wieder. Auf das Kommen und Gehen seiner Gezeiten war stets Verlass, das Beengte und Gefangensein des Alltags löste sich hier in Nichts auf, war plötzlich vergessen. Es stellte sich zum ersten Mal ein Gefühl von Freiheit ein, von Loslassen, von "Ich sein-Können". Und nach wie vor finde ich dieses Gefühl nirgends sonst als an den Ufern des Atlantik. Kein anderes Meer, kein Flug in die Lüfte, kein Berg konnten das je derart bewirken, konnten auch nur heran reichen an das Erfühlen von "Zuhause", von "Ankommen", das ich habe, wenn ich den Atlantik sehe.

Wenn die ersten Wellen meine Füße umspülen, ich die Gischtkronen auf den heran rollenden Wogen sehe und das Tanzen der zurückrollenden Welle in die Flut ein leises Knistern auf dem nassen Sand hören lässt. Die warmen, seichten Ebbebecken am weiten Sandstrand, die tosenden Brecher weit hinten im Meer und die tiefblaue Farbe wenn das Auge gen Horizont streift...
Hier ist es mal kristallklar, mal türkis, mal blau... dort ist es fast schwarz oder bedrohlich grau... und immer ist es faszinierend und anziehend.

Ich mag es, wenn der Atlantik bei Sturm und Gewitter unter grauem Himmel tosend an die Felsen bricht, man die Höhe der Wellen kaum mehr bestimmen kann und der Regen hernieder peitscht in die Fluten. Ich sehe mich an jenem Leuchtturm stehen und vom Fels auf die Brandung schauen, völlig durchnässt und zitternd vor Kälte aber derart gefangen in dem Gefühl der Unendlichkeit und Freiheit, das mich nichts und niemand von diesem Schauspiel zurück halten konnte.

Und dann ist da das leise Heranrollen seichter Wogen an den langen Sandstrand an strahlenden Tagen mit blauem Himmel und leichter Brise. Wenn selbst der Atlantik fast badewannenwarm ist und seine Wellen spielerisch und kleinkindgerecht anrollen, um einladend zu sagen: Hereinspaziert, auf DICH habe ich gewartet.

Aber es gibt auch Tage, an denen der Wind dem Meer zusetzt und egal ob Sonne oder Regen die Wellen derart hoch und das Tosen derart laut sind, dass kein Mensch sich in seine Nähe trauen würde. Tage, an denen es zu sagen scheint: Es wird mir zu viel, Mensch, lass mich in Ruhe. Wenn selbst die Surfer sich nicht hinaus trauen und die roten Fahnen am Strand gehisst werden. Dann stehe ich am Ufer und rede... gebe dem Tosen und Toben all meine Gedanken mit, alles was ich loswerden und abgegeben möchte. Und, was soll ich sagen, danach geht es mir besser. Ich habe geteilt und abgegeben an das ewige Meer, das schon seit jeher schweigt und aufnimmt, was sonst keiner hört.

Vielleicht hat es schon zu viele Seelen schlucken müssen und ist deshalb von Zeit zu Zeit aufgebracht... Wie dem auch sei: ich liebe es und werde es immer lieben. Dieses eine, dieses unvergleichliche, dieses mein Meer...







A bientôt

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