Dienstag, 2. Juni 2015

Begegnungen

... sind es, die das Leben reicher machen. Nicht nur, dass man das immer wieder spürt, wenn man Freunde trifft oder bemerkt, dass es einfach Menschen gibt, deren Gesellschaft einem immer wieder gut tut. Nein, es ist vielmehr so, dass neue Begegnungen mit Menschen das Leben erst mit Sinn füllen. Man entdeckt und lernt so viel, sieht immer weiter, bricht Grenzen ein und macht Entdeckungen – auch und gerade mit sich selbst – die man nicht machen würde, würde man sich diesen Begegnungen nicht stellen. Und ich glaube es gibt viele Menschen, die der Ansicht sind, dass sie keine „neuen Freunde mehr brauchen“ oder, dass sie ihren Freundeskreis gefunden haben. Das mag auch durchaus sein und seine Berechtigung haben aber ich habe für mich – gerade in diesen ersten zwei Wochen unserer Reise – feststellen dürfen, dass ich nicht zu diesem „Schlag“ Mensch gehöre und unglaublich davon zehre, Bekanntschaften zu machen, den Horizont zu erweitern und zu lernen.
Denn mein Leben ist Lernen... da war doch was :-)

Die erste Begegnung war jene mit Kunden meines Mannes in Ostspanien. Wir hatten Alicante gerade vor uns und dachten, es sei nett die beiden älteren  Herrschaften zu besuchen. Natürlich haben sie sich über diese Überraschung gefreut, wir haben nett geplaudert, Tee getrunken und die Kinder sind in den hier üblichen Pool gehüpft, aus dem sie kaum noch weg zu bewegen waren.  Wir haben viel über die Gegend gelernt, uns wirklich amüsiert und sind dann frohen Mutes weiter gefahren, um am folgenden Tag eine Freilernerfamilie, die ich über eine Gruppe bei facebook kennen gelernt hatte, zu treffen. Eine weitere Begegnung, die meinen persönlichen Horizont erweitert und meinen Blick nach vorne und auf das, was mir die Zukunft bitte bringen soll, erschlossen hat. 
Wir haben ein wunderbares Abendessen verbracht (die Familie lebt vegan und ich fühlte mich natürlich pudelwohl, bin ich doch sonst der „Außenseiter“), geredet und den Kindern beim Plantschen im wiederum hauseigenen Pool zugesehen. Die Familie lebt im Winter in Spanien und hütet das Haus anderer Leute so lange, wie sie möchte, um dann wieder die Rucksäcke zu satteln und mit den beiden Kindern auf Tour zu gehen. Meist ist es Asien, das sie anzieht aber auch in Europa machen sie ab und an Halt. Es ist wunderbar, Menschen zu treffen, die den eigenen Traum leben und ich habe mir gewünscht, tauschen zu können. Und dann habe ich festgestellt, dass jeder seines Glückes Schmied ist und ich das auch leben könnte...wenn... ja, wenn da nicht eine Familie mit vier weiteren Menschen dran hinge, die das mitunter etwas anders sehen.
Je älter die Kinder sind, umso schwieriger wird der Abschied von Zuhause, das Aufgeben des Altegewohnten, dessen was man „hat“. Mein Sohn sagte zu meiner Idee nur: „Och nö Mama, dann hab ich ja immer kaum was zum Spielen.“ Und klar, die Freunde und der Wald fehlen ihnen gerade auch, so dass sie sich ein Leben on the road schwer vorstellen könnten. Mein Mann ist zu gern „zuhause“, um alles aufgeben und einfach verreisen zu wollen... tja, und da stehe ich dann mit meinem Traum und suche einen Ausweg aus dem Dilemma.. es bleibt spannend und wir werden sehen, wo es mich einmal hinführt, oder uns als Familie.


Am vorletzten Abend dann, nachdem wir bereits in Marokko angekommen waren, haben wir dann zufällig an einem einsamen Strand im Niemandsland ein weiteres Pärchen mit Tochter kennen gelernt, die aus Österreich stammen und dank der Freiheit zu entscheiden, ob Schule oder Heimunterricht, sich für letzteres Entschieden hatten und somit mit ihrer Tochter reisen können. Ihre Erfahrungen mit dem Freilernernetzwerk und ihre Ansichten bezüglich Institution Kindergarten und Schule waren bereichernd und der Austausch wunderbar. Die Kinder tobten ausgelassen am Strand während wir Mütter auf den Felsen saßen und uns darüber unterhielten, wie selbstverständlich und entspannt Lernen stattfinden kann...

Und dann kamen die Begegnungen mit den Kindern der Krippe und der Schule hier in Agadir. Unglaublich aufgeschlossen, nett und gastfreundlich begegnete man uns und natürlich waren die blonden Schöpfe meiner Kinder ein Highlight. Immer wieder wurden sie gestreichelt, geknutscht und geknuddelt und nach einer Weile war es ihnen nicht mal mehr unangenehm. Die Schulleitung der Schule für Gehörlose in Agadir und der Projektleiter luden uns zum Lunch ein und wir lernten seine Menge über das Leben und Lernen in der Stadt, diesem Viertel und der Kinder, die teilweise taub, hörgeschädigt oder einfach unterversorgt sind. Ich hoffe sehr, dass aus diesem Besuch eine Kooperation entstehen kann, so dass wir immer wieder Hörgeräte nach Agadir schicken können und der Computer, den wir heute hier übergeben und der mit der Software ausgestattet ist, die man zum Anpassen benötigt, die Arbeit hier erleichtern wird. Das größte Problem ist, dass Gebärdensprache gelehrt wird und niemand mit den Kindern redet. Selbst wenn sie nur eine Hörschädigung haben lernen sie keine Laut- sondern Gebärdensprache und das verschlechtert ihre Chancen, in der Gesellschaft integriert zu werden. Sie bleiben quasi immer unter "ihresgleichen", was schade ist. Die Abläufe sind sehr durcheinander und etwas chaotisch aber man kann dennoch einiges erreichen wenn man die richtigen Geräte mit vernünftigen Audiogrammen anpassen kann. Die strahlenden Augen des ersten Mädchens das heute morgen neue Geräte bekam waren alle Mühe wert.
Der Schulleiter versorgt uns ununterbrochen mit frischem Minztee, Gebäck und allerlei Süßem, das wir versuchen sollen, schenkte uns Tonwaren, die hier hergestellt werden und ist stets sehr besorgt, dass es uns auch ja gut geht. Mittags nun wird es hier Fisch geben. Seine Frage, ob Fisch denn für mich ginge beantwortete ich mit nein, denn das seien ja schließlich auch Tiere (Gastfreundschaft hin oder her: Tier ist Tier). Seine Antwort daraufhin: "Nein, nein, Fische sind was ganz anderes!" Aber er hatte ein Schmunzeln auf den Lippen... ich werde mich mit dem leckeren Brot und Gemüse begnügen.
Morgen dann werden wir weiter gen Norden reisen und sehen was und wer uns in Marrakech, Fez und dem Atlasgebirge erwartet. Es bleibt spannend...

Eigentlich wollte ich noch einige Bilder posten, damit ihr einen Eindruck bekommt von dem, was ich schreibe aber das Netz ist äußerst langsam und ich kann sie nicht hoch laden. Vielleicht dann in Portugal in etwa einer Woche.
A bientôt...

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