Donnerstag, 25. Juni 2015

Das Meer.... und ich

Wie beginnt man einen "Liebesbrief", den man niemals absenden wird? Einen Post, den der (eher DAS) Betreffende niemals lesen wird und der einfach nur ins Blaue hinein gedacht ist, um Gefühle zu "Papier" zu bringen? Gute Frage...

Ich werde es versuchen, denn es liegt mir so viel daran wenn ich hier stehe: am Meer.

Nicht irgendein Meer, nicht zum ersten Mal und auch sicher nicht zum letzten Mal das Wunder, das ich immer wieder bestaune: der Atlantik.

Ich höre seit Wochen nun schon täglich und vor allem allabendlich beim Zubettgehen das sanfte Rauschen der Wellen, blicke morgens als erstes auf das klare Blau der Wogen, die an den Strand rollen und erfreue mich an jeder einzelnen tosenden und brechenden Welle, die es hergibt. Jeden Tag aufs Neue und insgesamt nun schon seit 36 Jahren. Nicht ein Jahr ist vergangen, in dem ich nicht an seinen Fluten gestanden und begeistert auf es hinaus geschaut hätte. Es gehört zum Wohlfühlen und meinem Leben - ich liebe es einfach.

Da kam mir gestern der Gedanke, einfach mal danke sagen zu müssen. Danke für das Gefühl, das dieses Wasser (denn mehr ist ja eigentlich nicht) in mir auslöst. Danke für die vielen Stunden, die ich schon an seinem Ufer gestanden, mir die Seele aus dem Leib geweint, geredet und in Stille gesessen habe. Stunden, in denen ich als Kind kopflos umhergetappt bin, getobt und hineingesprungen in die Fluten und die zurück gebliebenen Becken der Ebbe, Stunden als Teenie mit Lagerfeuer am Strand und ersten Begegnungen mit Jungs, Stunden als junge Frau, in denen ich "mein Meer" mit Menschen zu teilen begann, die mir am Herzen lagen und nun  Stunden als Mutter, in denen ich meine Kinder beobachten darf, wie sie die selbe Leidenschaft leben, teilen und in ihr aufgehen.
Ich hoffe sehr, dass sie meine Liebe zum Meer weiter tragen, dass sie sie teilen, leben und genießen... so wie ich es tue. Danke, Du mein Atlantik.

Woher kommt sie nur, diese Liebe, dieses "Hingezogenensein" zum Ozean, der doch eigentlich nichts anderes ist als ein weites, tiefes Gewässer? Ich kann es - wie so vieles, was Gefühle anbelangt - gar nicht erklären. Ich weiß nur, dass mich das unendlich Scheinende, das Gewaltige und doch Sanfte, das schier ewige und unergründliche Meer stets begeistert, fasziniert und bewegt hat. Ich hatte immer das Gefühl, anzukommen wenn ich an seinen Ufern stand. Ich habe stets den Drang verspürt, mit ihm zu reden, denn ich wusste um seine Verschwiegenheit und darum, dass alles was ich bei ihm lasse, sicher ist. Niemand würde je erfahren, welche Geheimnisse ich hier los wurde, welche Worte, Ängste und Versprechen ich hinein legte in die Wellen, die da sanft an den Strand rollten oder hart an die Felsen krachten und alles in sich aufsogen, was ihnen unter kam.

Das Meer war immer da. Immer wieder. Auf das Kommen und Gehen seiner Gezeiten war stets Verlass, das Beengte und Gefangensein des Alltags löste sich hier in Nichts auf, war plötzlich vergessen. Es stellte sich zum ersten Mal ein Gefühl von Freiheit ein, von Loslassen, von "Ich sein-Können". Und nach wie vor finde ich dieses Gefühl nirgends sonst als an den Ufern des Atlantik. Kein anderes Meer, kein Flug in die Lüfte, kein Berg konnten das je derart bewirken, konnten auch nur heran reichen an das Erfühlen von "Zuhause", von "Ankommen", das ich habe, wenn ich den Atlantik sehe.

Wenn die ersten Wellen meine Füße umspülen, ich die Gischtkronen auf den heran rollenden Wogen sehe und das Tanzen der zurückrollenden Welle in die Flut ein leises Knistern auf dem nassen Sand hören lässt. Die warmen, seichten Ebbebecken am weiten Sandstrand, die tosenden Brecher weit hinten im Meer und die tiefblaue Farbe wenn das Auge gen Horizont streift...
Hier ist es mal kristallklar, mal türkis, mal blau... dort ist es fast schwarz oder bedrohlich grau... und immer ist es faszinierend und anziehend.

Ich mag es, wenn der Atlantik bei Sturm und Gewitter unter grauem Himmel tosend an die Felsen bricht, man die Höhe der Wellen kaum mehr bestimmen kann und der Regen hernieder peitscht in die Fluten. Ich sehe mich an jenem Leuchtturm stehen und vom Fels auf die Brandung schauen, völlig durchnässt und zitternd vor Kälte aber derart gefangen in dem Gefühl der Unendlichkeit und Freiheit, das mich nichts und niemand von diesem Schauspiel zurück halten konnte.

Und dann ist da das leise Heranrollen seichter Wogen an den langen Sandstrand an strahlenden Tagen mit blauem Himmel und leichter Brise. Wenn selbst der Atlantik fast badewannenwarm ist und seine Wellen spielerisch und kleinkindgerecht anrollen, um einladend zu sagen: Hereinspaziert, auf DICH habe ich gewartet.

Aber es gibt auch Tage, an denen der Wind dem Meer zusetzt und egal ob Sonne oder Regen die Wellen derart hoch und das Tosen derart laut sind, dass kein Mensch sich in seine Nähe trauen würde. Tage, an denen es zu sagen scheint: Es wird mir zu viel, Mensch, lass mich in Ruhe. Wenn selbst die Surfer sich nicht hinaus trauen und die roten Fahnen am Strand gehisst werden. Dann stehe ich am Ufer und rede... gebe dem Tosen und Toben all meine Gedanken mit, alles was ich loswerden und abgegeben möchte. Und, was soll ich sagen, danach geht es mir besser. Ich habe geteilt und abgegeben an das ewige Meer, das schon seit jeher schweigt und aufnimmt, was sonst keiner hört.

Vielleicht hat es schon zu viele Seelen schlucken müssen und ist deshalb von Zeit zu Zeit aufgebracht... Wie dem auch sei: ich liebe es und werde es immer lieben. Dieses eine, dieses unvergleichliche, dieses mein Meer...







A bientôt

Chefchaouen - die blaue Stadt

Hatte ich eigentlich schon von dem absoluten Highlight in Marokko erzählt?
Der Stadt, die so faszinierend war, dass wir sogar einen Teppich gekauft haben, der dann eingerollt mit uns ins Wohnmobil gezogen ist? Muss ich unbedingt nachholen:

Das Blau des Himmels und des Meeres dieser Tage in Spanien ließ mich nämlich noch mal an diese Stadt denken und Bilder und Eindrücke in Erinnerung rufen, die ich so wunderbar fand:

Chefchaouen heißt das Städtchen im Riffgebirge, das einfach alles, was ich bisher gesehen hatte, in den Schatten stellte. Ich habe weiß Gott schon viele schöne Städte gesehen und bin durch viele enge Gässchen geschlendert, staunend ob der Angebote und Waren die angepriesen wurden. Aber Chefchaouen sollte all das übertrumpfen. Warum?
Nun, wenn man bedenkt, dass Blau meine Lieblingsfarbe ist und die komplette Stadt in blau gehalten ist,  etwas was ich noch nie gesehen habe, stellt sich die Frage schon weniger.
Wenn ich Euch dann noch erzähle, dass sie tausende enger Gässchen und Straßen hat, die einen labyrinthartig in ihren Bann ziehen und voller Leben mit kleinen Geschäftchen, Marktständen und Lädchen ist, versteht ihr vielleicht meine Begeisterung.
Wenn nicht, kommen hier einige Fotos, die meine Eindrücke annähernd versuchen festzuhalten. Wie es sich wirklich anfühlt durch eine komplett blaue Stadt zu laufen kann ich gar nicht beschreiben.  Man hat am Ende den Eindruck, selbst ein bisschen blau zu sein :-)









Und natürlich ist es wie in jedem Souk in Marokko: es wird gehandelt, gefeilscht, Preis geboten und diesmal sind wir einfach – weil der Mann der uns mitten im Treiben ansprach und  uns auf die Teppichknüpferei seines Onkels hinwies – mit gegangen.


Wir hatten genau das vor: uns treiben lassen, schauen wie das Leben spielt und den Tag genießen. So liefen wir in das kleine blaue Haus (wie sollte es anders sein) und bestaunten zunächst den großen Webstuhl, hinter dem sich ein Berber zu schaffen machte, um den Touristen (die noch nicht da waren) zu zeigen, wie die Teppiche in Berberart gewebt werden. Kurz drauf stand ein kleinerer, älterer Herr im Raum, der uns freundlich den typisch marokkanischen Minztee anbot, mit dem Hinweis, dass wir den so oder so bekämen, egal ob wir bei ihm irgend etwas kaufen würden, denn er sei einfach gastfreundlich und der erste Gast am Tag könne eigentlich nur Glück ins Haus bringen (und das waren wir augenscheinlich...).
So saßen wir beisammen und er erzählte uns alles, was man über das Knüpfen, Weben und Färben der traditionellen Teppiche Marokkos so wissen muss. Da er erstaunlich gut Englisch sprach, das er – so sagte er – aufgrund der Touristen irgendwann angefangen hatte, zu erlernen (ganz ohne Schule und Kurse und so), war die Kommunikation ein Leichtes und bald lagen die verschiedenen Teppicharten und Sorten in allen erdenklichen Farben und Mustern vor uns am Boden. 
Zu jedem Teppich hörten wir eine Geschichte, erfuhren woher er stammte und wie die Muster zu erklären sind, die sich darauf kunstvoll wiederfanden. (Natürlich waren wir nicht in die Stadt gekommen, um einen Teppich zu kaufen aber bald wurde uns klar, dass wir vermutlich mit Teppich wieder herauskämen...)

Wie das so ist mit spontanen Entscheidungen und Dingen, die einem einfach „in die Hände spielen“: ein bordeauxrot-elfenbeinfarbener Teppich, der prima in unseren Wohnbereich passen würde, lag am Ende der „show“ noch am Boden und wartete auf  unsere Entscheidung. Natürlich wurde gehandelt und überlegt, gezögert und gefühlt und schließlich sind wir mit Teppich und einer dazu genommenen Kamelhaardecke aus dem Laden gezogen, um einige Euro ärmer aber um einen echten Berberteppich aus dem Atlasgebirge reicher, der uns nun fortan jeden Tag an diese Reise erinnern wird, wenn wir wieder zuhause auf der Couch sitzen.

Ich hoffe er passt tatsächlich „ins Bild“ wenn wir ihn dann in der heimischen Wohnung ausrollen ... aber wir haben bewusst keinen typisch orientalischen Teppich ausgewählt sondern auf klassische Muster der Berberfrauen gesetzt, die wirklich sehr schön sind. Und da die Schafe dort von Hand und Tier um Tier geschoren werden, quasi im Haus der Berber leben, mit ihnen und von ihnen, habe ich als Veganerin keine Scheu gehabt, ihn zu kaufen. Die Kamelhaardecke als „Beigabe“ allerdings wird ins Zimmer meines Mannes verschwinden müssen...

Ich muss sicher nicht erwähnen, dass wir nach nunmehr einigen Wochen, die ins Land gegangen sind immer wieder Momente haben, in denen wir uns anschauen und sagen: „Hier, wir haben echt nen Teppich gekauft gell?!“

Nun aber auf zum nächsten Post aus Spanien... ich glaube ich sollte mal was über's Meer schreiben. 
A bientôt

Samstag, 13. Juni 2015

Das Südlichste...

Nun sind wir schon eine Woche aus Marokko zurück in Europa und langsam fühlt es sich danach an, als müsste ich auch über den Süden Spaniens und die ersten Eindrücke Portugals etwas schreiben.

Wie bereits auf der Hinfahrt, setzten wir abends in Tanger über und landeten weit nach zehn Uhr auf unserem Campingplatz in Tarifa, wo mittlerweile kein Einlass mehr war. Also stellten wir uns spontan vor den Platz, um wenig später dem Platzwächter die Türe öffnen zu müssen und ihm unsere Personalien zu übergeben. Denn auch das Übernachten VOR dem Platz kostet natürlich etwas und wie wir am Folgetag erfuhren: den vollen Preis! Uns sollte es aber gleich sein denn wir waren hundemüde und wollten einfach nur in Ruhe irgendwo stehen.

Den Folgetag verbrachten wir dann chillig auf dem Platz mit Meer, Pool und Essengehen im kleinen (aber feinen) Campingrestaurant. Ich buchte noch rasch das Whalewatching für den folgenden Morgen und am Montag dann starteten wir von Tarifa aus in die Straße von Gibraltar mit jenem Bootchen „Jacqueline“, das uns bereits vor zwei Wochen hinaus geschunkelt hatte. Und auch diesmal sollte eine pubertierende Schulklasse an Bord gehen und wir dachten bereits: „Oh nein! Das war es mit den Walen und Delfinen!“ Aber nach etwa einer halben Stunde kamen sie dann: hunderte von Delfinen mit ihren Jungen schwammen unentwegt neben, vor oder hinter unserem Boot umher, sprangen fröhlich durch die Wellen und warfen sich platschend auf ihre wunderbaren Körper. Die Kinder waren hellauf begeistert und ich dachte nur: „Wer braucht schon Aquarien“... diese eingesperrten, traurigen und dressierten Delfine würde ich mir ohnehin nicht ansehen, aber um den Kindern einen Eindruck der Welt unter Wasser zu vermitteln ist ein Besuch im Aquarium schon immer mal drin gewesen. Umso froher war ich, dass sie hier das Leben der Tiere einfach mal hautnah und so fröhlich erleben durften.

 Kaum zurück im Hafen machten wir uns auf den Weg gen Chiclana, wo wir Freunde besuchen wollten. Eigentlich war ein Kurzstopp geplant, denn Spanien war ja nicht unser „Ziel“... Da spontan aber meist am besten ist und es einfach so wunderbar war wurden daraus zwei Tage mit vielen tollen Gesprächen, wunderbarem Essen (ich liebe Indisch), ausgedehntem Shopping (der Gastgeber und seine Freundin unterhalten ein eigenes Label mit Shop in Chiclana – chillig lässige Strand- und Freizeitmode aus Leinen und Baumwolle, genau meins: „Cotton and Beach“, für alle die mal schauen möchten), „Pooling“ vom Feinsten und wenig Schlaf.

 

Und wäre da nicht Portugal auf unserer Reiseplanliste gewesen hätten wir es sicher noch weitere Tage und Wochen hier ausgehalten. Aber: wir kommen wieder, keine Frage.

So sattelten wir nach zwei Tagen und mit frisch gewaschener Wäsche unseren Dicken und zogen weiter gen Westen. Nahe der portugiesischen Grenzen übernachteten wir an einem einsamen Sandstrand auf einem abgelegnen Parkplatz, den wir nachts komplett für uns alleine hatten. Wir sahen die letzten Kitesurfer gehen und bestaunten den Sonnenuntergang über dem Atlantik. Traumhaft...

Nach einem heftigen Sturm in der Nacht strahlte am nächsten Morgen erneut die Sonne vom hellblauen Himmel und wir machten uns bei 26 Grad auf den Weg über die Grenze. Portugal empfing uns ebenfalls mit Sonnenschein und guter Laune, netten Dörfchen und Strandabschnitten und einem gepflegten Mittagessen im portugiesischen Stil mit umhertollenden Katzen und phänomenalen Preisen.
Am ersten Strand, den wir erobern wollten, machte sich nach einer Stunde bereits das vom Landesinneren her angekündigte Wolkenband breit und so machten wir uns nach einiger „Spielzeit“ wieder auf den Weg. Hier standen ohnehin zu viele weiße „Schrankwände“ auf einem Fleck herum und die eingeteilten Strandabschnitte samt mietbarer Sonnenschirme waren nicht so unseres....

Wir beschlossen, die Algarve für diese Nacht Algarve sein zu lassen und schlugen den Weg nach  Norden ins Gebirge ein. Hier erwartete uns ein nettes kleines Dörfchen, an dessen Friedhof wir parkten und wo wir einen schmalen, super steilen Weg hinab wanderten, an dessen Ende uns ein Wasserfall entgegen plätscherte. Leider war das Bachbett ausgetrocknet und das Becken, in dem man sicher ansonsten gut hätte baden können, war zu knapp gefüllt. So begnügten wir uns mit ein wenig Plantschen und Herumtollen, ehe wir die Ruhe genossen und den Tag ausklingen ließen...

Und nun sind wir an einem einsamen Strand, stehen mit einigen weitern – eher alternativen Wohnmobilisten in kreativen Mobilen – oberhalb der Klippen des Atlantik und genießen den wunderschönen Sonnenuntergang. Die Kinder toben draußen mit den Kindern der anderen Niederländer und Deutschen herum, der Grill brutzelt Kartoffeln und Gemüse vor sich hin und es könnte kaum einen schöneren Ausblick geben während ich diese Zeilen schreibe. Euch allen einen guten Start in die Woche und à bientôt.

Wunderschönes Lagos
Sagres - der südwestlichste Punkt Europas

Der Strand unterhalb der Klippen von Sagres

Mittwoch, 10. Juni 2015

Marrakesch...

...Stadt der Städte, wunderbare Schöne Marokkos. Wie sehr hatte ich mich auf den Besuch dieser Stadt gefreut, waren doch die Erzählungen jener, die schon hier gewesen waren, so faszinierend, dass ich mir gerne ein eigenes Bild machen wollte.

Nun also fuhren wir ein in diese Traumstadt, der Marokko seinen Namen verdankt.
Die Hitze schlug uns bereits in den Vorstädten entgegen, Eselskarren und Transporter mit Vieh und allerlei Obst auch hier, wie überall im Land. Das wilde Treiben verstärkte sich, je näher wir dem Zentrum kamen. Die Esel wurden weniger, die Touristen-Pferdekutschen nahmen dafür zu. Wir fuhren erneut einen Boulevard Mohammed V hinunter und fanden nach kurzer Suche den Parkplatz, der als Stellplatz für die Nacht optimal an der Moschee lag. Diese wiederum war nur wenige Schritte vom Hauptplatz Jemaa el Fnaa entfernt und somit perfekt zu erreichen. Ebenso die daran anschließenden Souks mit ihren wunderbaren Ständen, Waren, Farben und Gerüchen, dem Stimmgewirr all jener, die hier hausen, arbeiten und sie besuchen.

Kaum angekommen auf dem Stellplatz, wurde uns bewusst, dass es vielleicht kein Spaß werden würde, bei 38 Grad mit drei kleinen Kindern den Stadtkern zu erkunden. Aber auf Abkühlung zu warten machte wenig Sinn, da die Wettervorhersage für die kommenden Tage nicht minder warme Temperaturen meldete und wir auch nicht hinter den Mauern der Moschee auf  „bessere Tage“ wartend einfach im heißen Womo herum sitzen wollten.
Also warteten wir ein wenig ab, machten uns dann fertig (was bedeutete, dass wir so wenig wie nur irgend möglich anzogen und ich schließlich im trägerlosen Kleid mit nacktem Baby im Tuch vor dem Bauch losziehen sollte.)
Kaum hatten wir die Straße auf den großen Platz überquert kamen uns auch schon die ersten Feilscher und Händler entgegen und mit den ersten Pferdekutschern handelte ich spaßeshalber Preise aus, vereinbarte, später wieder zu kommen, um dann unbehelligt weiter ziehen zu können.
Anders auf dem Jemaa el Fnaa. SO schnell hatte ich gar nicht NEIN sagen können wie die Henna-Frau der Kleinen und mir ein Tattoo auf den Unterarm gezaubert hatte. Dass das Ganze dann unverhältnismäßig viel Geld kosten sollte war klar. Nach einigem Handeln und vermutlich auch arabischen Flüchen nahmen die Frauen dann das angebotene Geld für ihre Leistung und wir konnten weiter ziehen. Beim Schlangenbeschwörer ließen wir dann für das gestattete Foto mit Mann und Sohn erneut 30 Euro (argh) aber das gehört wohl einfach dazu wenn man als Tourist in die Stadt kommt und die ersten Erfahrungen mit den Methoden hier macht. Wir haben dazu gelernt und noch einmal ist uns dergleichen nicht passiert. (Irgendwie gehört es auch einfach heirher...)

Langsam begann der Platz sich zu füllen, als wir noch rasch eine Flasche Wasser in einem der anliegenden Cafés bestellten, ehe uns die Souks verschluckten. Einer der rasch rasenden Fahrradfahrer fuhr prompt die Kleine über den Haufen und gleich bildete sich ein Menschenpulk um uns herum. Ein Stimmengewirr aus arabischen, französischen und versucht englischen Aussagen über die Situation endeten darin, dass wir feststellten, dass außer ein paar Schrammen nichts passiert sei und beschlossen weiter zu gehen.
Immer weiter wurden wir also getrieben von den Menschen, den Bildern, Gerüchen und Waren, die man hier entdecken und genießen kann, wussten bald nicht mehr woher wir gekommen waren (und das, wo meine Orientierung eigentlich 1A ist) und wohin die Pfade noch führen sollten. Genau das ist es jedoch, was es so herrlich authentisch, so geheimnisvoll und abenteuerlich macht: man verliert sich.
Zwar führt jede Straße – und sei sie noch so klein in diesem Labyrinth - irgendwann wieder hinaus in die Mauern der Medina, aber der Weg hindurch gibt einem stets das Gefühl, verloren zu sein. Wunderbar war das blinde Herumwandern und –schauen, einfach nur schön das Hineinblicken in Hausnischen, Eingänge und Hinterhöfe und es bedurfte keiner Karte. Allerdings wurden die Temperaturen immer heißer, die Kinder müder und langsam aber sicher mussten wir dann doch den  Rückweg antreten.
Beladen mit vielen Bildern und einigen Fotos (denn fotografiert werden sie alle nicht gerne hier...) liefen wir den Weg irgendwie zurück zum Jemaa el Fnaa, um dann den Stellplatz anzupeilen. Sogleich war beschlossen: das war nicht das letzte Mal.
Für den ersten Eindruck gesättigt, für ein weiteres Mal angefixt würden wir es aufgrund der Temperaturen und der drei Kids für dieses Mal belassen (müssen). Kaum hatten wir die Mauern des Platzes erreicht, auf dem unser Womo in der prallen Sonne parkte, setzten dicke Tropfen ein und alles, dass wir nicht im Regen tanzten, schlenderten wir gemütlich zurück, dankbar für das Nass von oben.
Allerdings blieb die ersehnte Abkühlung aus und lediglich der Asphalt begann etwas zu dampfen. Schon bald setzten die Gesänge und Musik auf dem Jemaa el Fnaa ein, die die ganze Nacht hindurch bis zu uns hinüber schallen sollten und reges Treiben vermuten ließen. Die 30 Grad in der Nacht machten das Schlafen fast unmöglich aber irgendwann, als der Muezzin das letzte Gebet gesungen hatte, fielen doch allen die Augen zu.


Tiere werden hier so transportiert... ich frage mich, wie man die armen Kühe auf das Dach bekommen hat?!

Schlangenbeschwörer auf dem Jemaa el Fnaa

Allerlei Gewürze an den Ständen vor den Souks...

... und in den Souks.

Impressionen aus den Straßen Marrakeschs

Gefangen in den Labyrinthen der Souks in Marrakesch

Der Stellplatz hinter der Moschee.
A bientôt Du wunderbare Stadt.

Dienstag, 2. Juni 2015

Eindrücke

Jetzt sitze ich noch immer hier in Agadir und schreibe in der Mittagspause mal meine Eindrücke unsortiert nieder. Es waren so viele in den letzten Tagen, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll und ich mag sie nicht "verlieren".
Gestern war z.B. so ein Tag, an dem unheimlich viele Dinge passiert sind und an dem wir so viel gesehen und erlebt haben, dass es eigentlich für eine Woche und ein halbes Buch reichen würde.

Wir sind morgens vom (zugegeben leeren) Campingplatz aufgebrochen, nachdem ich mit den Kids noch kurz am Strand gewesen war, wo ein Kamelbesitzer seine Tiere gerade in den frühen Wellen baden ließ. Ich habe noch nie gesehen, wie Kamele baden oder hätte daran gedacht, dass die ja auch mal sauber gemacht werden müssen. Es war ein heiteres Treiben den Langbeinern dabei zuzusehen, wie sie sich in die Wellen der späten Ebbe knieten (oder knien ließen), um sich von ihrem Besitzer die Hinterläufe schrubben zu lassen. Wenig später standen sie dann frisch gebadet am Strand, um auf Touristen zu warten, die auf ihren Rücken am Meer entlang reiten sollten. Wir gehörten nicht dazu...

Viel mehr machten wir uns auf den Weg gen Agadir und überholten auf dem Weg dorthin wieder zahlreiche Eselskarren und Dreiräder, konnten erneut hinter jedem zweiten Baum und unter jeder dritten Palme Menschen ausmachen, die den Schatten suchten und erneut winkten uns die Kinder, denen wir begegneten munter zu. Nach den Bettelerlebnissen des Nordens ist es angenehm hier im Süden eher freundlich gewunken zu bekommen als traurig drein blickende Kinder mit aufgehaltenen Händen am Auto stehen zu sehen. Wo ich im Norden des Landes niemals das Fenster hinunter gekurbelt hätte, in Salé oder Rabat etwa, oder in Casablanca, habe ich gestern in Agadir sogar mein Handy einem marokkanischen Mädchen ans Ohr gehalten, damit es dem Schulleiter erläutern konnte wo wir sind, damit er uns abholen kommen kann. Die Kleine war umringt von zahlreichen Jungs, die versuchten, an das Handy zu gelangen – ob zum Reinsprechen oder aus der Handreißen weiß ich nicht – aber als sie die Kleine dann mit einer arabischen Stimme am anderen Ende der Leitung reden hörten waren wir wohl plötzlich „Freunde“ und die Hilfsbereitschaft enorm.
Man wächst langsam hinein in dieses Gefühl von „was ist sicher“ und „was ist eher ein bisschen gefährlich“ oder „im Zweifel mit Familie zu unsicher“.

Agadir begrüßte uns mit einem großen Industriehafen und einem langen Boulevard der mal wieder Hassan oder Mohammed gewidmet ist, oder im Zweifel auch nacheinander beiden. Der Königspalast ist gut bewacht aber die Gesetzeshüter sind äußerst freundlich und auch sie winken uns (oder unserem Auto) zu. Wie eigentlich jeder, dem wir mit einem Grinsen und freundlich aufgeschlossen begegnen. Das Auto zieht natürlich nicht selten die Blicke auf sich und so werden auch wir, als größtenteils blonde Familie, zur Zielscheibe von Blicken und Kommentaren. Keineswegs unangenehm aber die Kinder mussten sich erst einmal daran gewöhnen, dass man sie anfasste und ihnen Küsschen gab oder welche einforderte, ihnen über das Haar strich und ihnen Geschenke machte – einfach so.
Gestern hatte ich wirklich das Gefühl, man ist der Ansicht, dass das Berühren blonder Jungen Glück bringt und mein Großer wusste schon gar nicht mehr wohin mit seinem breiten Grinsen, denn freundlich nahm er das einfach alles entgegen und freute sich fast über all die unerwartete Aufmerksamkeit.. Beim Mittagessen mit unseren Gastgebern der Schule für Hörgeschädigte in Agadir wurden ihm Salate, Pommes, Barbecue und was auch immer er sich wünschte bzw. gewünscht hätte, aufgetischt obwohl er mehrfach betonte, dass er gar nicht hungrig sei (ich musste das natürlich übersetzen aber es wurde glatt ignoriert). Das Ende vom Lied war dann, dass ich mir alles Gemüsige und Salatige selbst zu Leibe führte, um nicht unhöflich zu erscheinen und das gute Essen nicht zurück gehen lassen zu müssen. Danke mein Sohn!

Die Stadt erschien auf den ersten Blick etwas sauberer und nicht so chaotisch wie einige zuvor, was sich beim abendlichen Umherstreifen wohl bestätigte (mein Mann durfte noch eine Stadtführung genießen während ich die Kids ins Bett brachte). Aber natürlich finden sich auch hier inmitten des Großstadtdschungels Schafe, Esel und Kühe, die die Viertel durchstreifen, mit oder ohne einen Hirten, der sie antreibt oder auf sie achtet. Menschen, die Mülltonnen nach Essbarem durchsuchen, um es auf ihren Esel zu laden findet man in marokkanischen Städten ebenso wie die dicken Bentleys der vermeintlichen Drogenbosse aus dem Atlas, die dann neben den Eselskarren absolut skurril wirken. Es ist ein so vielseitiges und aufregendes Land, hat so viele Gerüche, Farben und Bilder, dass man nicht aufhören kann zu erzählen, es aufzunehmen, es auszudrücken und doch immer wieder festzustellen, dass man etwas vergessen hat.

Ich komme gar nicht dazu, alles zu fotografieren weil meine Augen nicht so schnell aufnehmen können, was die Kamera eigentlich dann auch noch einfangen sollte. Aber ich bin ohnehin was das angeht ein schlechter Fotograf, muss ich sagen. Nicht, weil ich keine guten Bilder schießen könnte sondern weil es mir einfach unangenehm ist, Menschen zu Motiven zu machen und dieses „Draufhalten“ immer  von einem schlechten Gefühl begleitet wird. Und ich fotografiere nun mal lieber Menschen und Gesichter als Bauwerke und Denkmäler. Das Leben interessiert mich... 
Natürlich möchte man gerne Erinnerungen für das heimische Fotoalbum mitnehmen aber hey: die Erinnerungen, die ich wirklich und wahrhaftig mitnehme, die leben in meinem Kopf und sind ohnehin nicht teilbar. Ich kann zuhause Bilder dieser Reise zeigen und doch werde ich niemals transportieren können, was wir erlebt und gesehen haben, unterscheidet sich das im Eindruck doch vermutlich schon unter uns fünfen ganz gewaltig. Das, was wir hier sehen, hören, riechen, schmecken und fühlen können ist so viel, gemessen an dem was ein einzelnes Bild sagen könnte.
Wenn ich mir die Schnappschüsse der Kinder anschaue, so sehe ich Landschaften, Tiere und dass sie einander und uns als Familie in den unterschiedlichsten Posen aufnehmen. Meine Bilder sind Aufnahmen von Dingen, die mein Auge gerade erst erfassen konnte ehe ich feststellte, dass ich sie auch noch aufnehmen sollte. Daher oft verschwommen, nur noch teilweise das Motiv erfassend und nicht selten zu nah oder zu weit weg. Der Mann im Haus macht echt gut Fotos aber er konzentriert sich meines Erachtens auch darauf, dass er ein brauchbares Bild schießen möchte, das nicht selten als zu vermarktendes Poster herhalten könnte. So unterschiedlich sind also all die Eindrücke, die Bilder und auch das, was wir davon mit nachhause nehmen werden, um es zu erzählen. Schön, dass es so ist denn so haben wir auch untereinander eine Menge zu teilen.

Beim Lunch mit Schulleiter und Projektleitung gestern Mittag saßen wir zu siebt in einem alten Mercedes und lernten erstmal, dass das natürlich verboten sei aber dass es immer auf den Grund eines vollen Autos ankäme und unserer sei natürlich nicht strafbar. Ergo befanden wir uns auf der legalen Seite und wenig später dann in einem gehobenen Restaurant am Rande Agadirs wieder, wo uns Salate zur Vorspeise serviert wurden ehe das traditionelle Essen auf den Tisch kam: Allerlei aus der Tajine , das mit den Händen bzw.  mit Hilfe der zerrissenen Brotfladen von allen aus der Mitte heraus gegessen wird. Unheimlich toll, gesellig und absolut meins. Ich habe Gemüse, Oliven und Pflaumen heraus gepickt und es war köstlich. Anschließend natürlich der traditionelle Minztee, der am Tisch frisch zubereitet und aufgegossen wird - wunderbar.
Am Nachbartisch genossen einige Männer ein ähnliches Menü, der Tisch hinter uns hatte noch frische Wassermelone zum Nachtisch, die allerdings zur Hälfte liegen blieb weil man wohl satt war. Ich hätte gerne zugegriffen und verhindert, dass man das gute Stück entsorgt aber ich denke, das wäre unangemessen gewesen.

Stattdessen bin ich mit dem Jüngsten aufgestanden, um mir ein ruhiges Plätzchen zum Stillen zu suchen. Gar nicht so einfach als stillende europäische Mutter in einem muslimischen Land. Sich entblößen in der Öffentlichkeit geht mal gar nicht, das Kind stillen in der Öffentlichkeit eher auch suboptimal und es schreien lassen, für mich ein "no go" und undenkbar. Also ziehe ich regelmäßig in versteckte Eckchen und stille klammheimlich vor mich hin. Zumindest dachte ich bis vorgestern, dass das so sein müsste. 
In Essaouira aber hatte ich ein wunderbares Erlebnis, das ich unbedingt festhalten muss. Es war sehr heiß mittags, die Großen riefen nach Wasser und bettelten um Eis während ich darauf bedacht war den Kleinen endlich zu stillen, der schon unruhig wurde. „Schreiendes deutsches Baby in marokkanischer Medina“ war jetzt nicht so meine Traumvorstellung eines entspannten Mittagsausflugs. Aber: wo sollte ich das tun? Mir kam der Zufall zur Hilfe. Wir standen unmittelbar vor dem christlichen Friedhof der Stadt und einige Katzenjunge lugten neugierig aus der Friedhofstür hinaus auf die Straße. Ebenso der Friedhofswärter, der uns ad hoc anlächelte und auf die Aufschrift am Tor „cimetière chrétien“ deutete als er bemerkte, dass ich wohl gerne „füttern“ wollte. 
Ungeniert zog er seinen Stuhl hinaus auf die Straße und meinte in gebrochenem Französisch, dass die Kinder besser tränken wenn die Mutter säße und bat mich, Platz zu nehmen. Das Eis war gebrochen und ich saß mitten in der Medina vor dem christlichen Friedhof und stillte mein Kind – natürlich darauf bedacht, uns mit dem Sling annähernd komplett zu bedecken aber: ich habe tatsächlich in der muslimischen Öffentlichkeit unbehelligt stillen können – fand ich ein tolles Erlebnis.

Witzig war auch, dass der Parkwächter (ja, ohne Parkwächter lässt man sein Auto hier auch als Einheimischer nirgends stehen) der erste und einzige Mensch in diesem Land war, der deutsch sprechen konnte weil er vier Jahre lang in Deutschland gelebt hatte. Er verlangte unübliche 20 Dirham, was in etwas 2€ entspricht und viel Geld ist. Wir zahlten sie aber gern, da unser Wohnmobil gut bewacht stand und er furchtbar freundlich und amüsant war. Zudem hatte er uns trotz des „Verbots“ eines Polizisten einen Platz zugewiesen und das sei nun mal teurer.
Die Vorgeschichte:
Überall steht angeschrieben, dass Wohnmobile nicht parken dürfen vor der Mauer der Medina. Wir hielten also prompt und fragten einen Polizisten, wo wir denn dann stehen könnten wenn nicht dort. Er sah etwas streng in unser Fahrzeug, bemerkte, dass mein Mann kein Französisch sprechen konnte und ich diejenige war, mit der er kommunizieren müsste, woraufhin er erstmal meinte, wir könnten hier nicht stehen sondern müssten zum Camping fahren und von dort aus laufen. Als er das Baby zwischen uns bemerkte war sein Kommentar: „Monsieur, sie lernen besser Französisch bis zum nächsten Mal. Vergessen sie Englisch. Fahren Sie da vorne an die Mauer und fragen Sie den Parkwächter ob er sie gegen Bares dort stehen lässt!“ Ich bedankte mich (im Namen meines Mannes) überschwänglich und wir taten wie uns geheißen. Nun ja, und dann trafen wir unseren marokkanischen deutsch-sprechenden Parkwächter, der uns zwischen zwei LKW „versteckte“ und dafür seine 20 DH kassierte.
An jeder Straße und an jeder Parklücke oder auf jedem öffentlichen Parkplatz wird bewacht bzw. tun junge Männer so, als würden sie auf das Auto aufpassen. Nur wer eine gelbe Warnweste trägt oder unter einem Sonnenschirm sitzt und die örtliche Polizei „kennt“ ist auch wirklich Parkwächter und passt vertrauenswürdig auf das Auto auf. Mittlerweile wissen wir, dass man in Marokko in der Regel überall eingewiesen, hinaus gewunken und auch überschwänglich zum Stoppen bewegt wird und dafür auch entsprechend ein bisschen was springen lässt. Es gibt ergo eine ganze Menge Parkwächter im Land und nur auf Supermarktparkplätzen sind uns noch keine begegnet...

Apropos Begegnung: Man begegnet ständig und überall Eseln. Ich liebe diese grauen Gefährten die das Kindchenschema so herzig bedienen. Großer Kopf und relativ kleiner Körper, eigensinnig und robust, einfach toll. Sie stehen an jeder Ecke, man findet sie häufiger als Autos außerhalb der Städte und sie bestimmen einfach überall hier das Landschafsbild. Bereits am Hafen kamen sie uns entgegen und die Faszination des ersten „Oh schau mal“ ist einem „Joah, schon wieder ein Esel“ gewichen. Zumindest bei den anderen, ich kann mich ja einfach nicht satt sehen. Ob sie angebunden irgendwo am Baum stehen (wie leid sie mir tun), vor einen Karren gebunden Lasten ziehen (sie tun mir ehrlich leid...) oder ihre Herrchen tragen (meist mit zusätzlicher Last, ich würde sie so gern alle befreien): sie sind überall und einfach unglaublich. Wenn man bedenkt, was sie da alles (er-)tragen und welche unglaublichen Wege sie bei unmenschlichen Temperaturen zurück legen, wie stark und treu sie das alles hinnehmen... ich bin begeistert und würde am Liebsten mindestens jeden zweiten adoptieren und nach Deutschland exportieren. Aber ich merke, dass es Grenzen gibt in dem, was ich gerne würde und dem, was ich tatsächlich tun kann...

Ich wollte ja schon immer gerne Esel haben  - einfach um der Esel willen, ohne dass ich sie zu etwas „einspannen“ würde sondern einfach weil sie so wunderbar freundlich sind und nicht minder stur wie ich selbst (sagt mein Mann) aber dieser Urlaub verstärkt meinen Wunsch nach einem bzw., zwei solcher treuen Gesellen noch mehr. Natürlich haben es mir die kleinen Eselkinder besonders angetan denn wie mit den jungen Kätzchen oder den Welpen, die man hier antrifft, sind es auch die Babyesel, die sooooo süß sind und begeistern. Ich weiß gar nicht, wie viele Bilder ich schon geschossen habe... Aber das tolle an Eseln ist ja, dass sie nicht nur als Jungtier so wunderbar sind sondern einfach immer begeistern. Irgendwann...
So, das soll es für heute gewesen sein. A bientôt...

Begegnungen

... sind es, die das Leben reicher machen. Nicht nur, dass man das immer wieder spürt, wenn man Freunde trifft oder bemerkt, dass es einfach Menschen gibt, deren Gesellschaft einem immer wieder gut tut. Nein, es ist vielmehr so, dass neue Begegnungen mit Menschen das Leben erst mit Sinn füllen. Man entdeckt und lernt so viel, sieht immer weiter, bricht Grenzen ein und macht Entdeckungen – auch und gerade mit sich selbst – die man nicht machen würde, würde man sich diesen Begegnungen nicht stellen. Und ich glaube es gibt viele Menschen, die der Ansicht sind, dass sie keine „neuen Freunde mehr brauchen“ oder, dass sie ihren Freundeskreis gefunden haben. Das mag auch durchaus sein und seine Berechtigung haben aber ich habe für mich – gerade in diesen ersten zwei Wochen unserer Reise – feststellen dürfen, dass ich nicht zu diesem „Schlag“ Mensch gehöre und unglaublich davon zehre, Bekanntschaften zu machen, den Horizont zu erweitern und zu lernen.
Denn mein Leben ist Lernen... da war doch was :-)

Die erste Begegnung war jene mit Kunden meines Mannes in Ostspanien. Wir hatten Alicante gerade vor uns und dachten, es sei nett die beiden älteren  Herrschaften zu besuchen. Natürlich haben sie sich über diese Überraschung gefreut, wir haben nett geplaudert, Tee getrunken und die Kinder sind in den hier üblichen Pool gehüpft, aus dem sie kaum noch weg zu bewegen waren.  Wir haben viel über die Gegend gelernt, uns wirklich amüsiert und sind dann frohen Mutes weiter gefahren, um am folgenden Tag eine Freilernerfamilie, die ich über eine Gruppe bei facebook kennen gelernt hatte, zu treffen. Eine weitere Begegnung, die meinen persönlichen Horizont erweitert und meinen Blick nach vorne und auf das, was mir die Zukunft bitte bringen soll, erschlossen hat. 
Wir haben ein wunderbares Abendessen verbracht (die Familie lebt vegan und ich fühlte mich natürlich pudelwohl, bin ich doch sonst der „Außenseiter“), geredet und den Kindern beim Plantschen im wiederum hauseigenen Pool zugesehen. Die Familie lebt im Winter in Spanien und hütet das Haus anderer Leute so lange, wie sie möchte, um dann wieder die Rucksäcke zu satteln und mit den beiden Kindern auf Tour zu gehen. Meist ist es Asien, das sie anzieht aber auch in Europa machen sie ab und an Halt. Es ist wunderbar, Menschen zu treffen, die den eigenen Traum leben und ich habe mir gewünscht, tauschen zu können. Und dann habe ich festgestellt, dass jeder seines Glückes Schmied ist und ich das auch leben könnte...wenn... ja, wenn da nicht eine Familie mit vier weiteren Menschen dran hinge, die das mitunter etwas anders sehen.
Je älter die Kinder sind, umso schwieriger wird der Abschied von Zuhause, das Aufgeben des Altegewohnten, dessen was man „hat“. Mein Sohn sagte zu meiner Idee nur: „Och nö Mama, dann hab ich ja immer kaum was zum Spielen.“ Und klar, die Freunde und der Wald fehlen ihnen gerade auch, so dass sie sich ein Leben on the road schwer vorstellen könnten. Mein Mann ist zu gern „zuhause“, um alles aufgeben und einfach verreisen zu wollen... tja, und da stehe ich dann mit meinem Traum und suche einen Ausweg aus dem Dilemma.. es bleibt spannend und wir werden sehen, wo es mich einmal hinführt, oder uns als Familie.


Am vorletzten Abend dann, nachdem wir bereits in Marokko angekommen waren, haben wir dann zufällig an einem einsamen Strand im Niemandsland ein weiteres Pärchen mit Tochter kennen gelernt, die aus Österreich stammen und dank der Freiheit zu entscheiden, ob Schule oder Heimunterricht, sich für letzteres Entschieden hatten und somit mit ihrer Tochter reisen können. Ihre Erfahrungen mit dem Freilernernetzwerk und ihre Ansichten bezüglich Institution Kindergarten und Schule waren bereichernd und der Austausch wunderbar. Die Kinder tobten ausgelassen am Strand während wir Mütter auf den Felsen saßen und uns darüber unterhielten, wie selbstverständlich und entspannt Lernen stattfinden kann...

Und dann kamen die Begegnungen mit den Kindern der Krippe und der Schule hier in Agadir. Unglaublich aufgeschlossen, nett und gastfreundlich begegnete man uns und natürlich waren die blonden Schöpfe meiner Kinder ein Highlight. Immer wieder wurden sie gestreichelt, geknutscht und geknuddelt und nach einer Weile war es ihnen nicht mal mehr unangenehm. Die Schulleitung der Schule für Gehörlose in Agadir und der Projektleiter luden uns zum Lunch ein und wir lernten seine Menge über das Leben und Lernen in der Stadt, diesem Viertel und der Kinder, die teilweise taub, hörgeschädigt oder einfach unterversorgt sind. Ich hoffe sehr, dass aus diesem Besuch eine Kooperation entstehen kann, so dass wir immer wieder Hörgeräte nach Agadir schicken können und der Computer, den wir heute hier übergeben und der mit der Software ausgestattet ist, die man zum Anpassen benötigt, die Arbeit hier erleichtern wird. Das größte Problem ist, dass Gebärdensprache gelehrt wird und niemand mit den Kindern redet. Selbst wenn sie nur eine Hörschädigung haben lernen sie keine Laut- sondern Gebärdensprache und das verschlechtert ihre Chancen, in der Gesellschaft integriert zu werden. Sie bleiben quasi immer unter "ihresgleichen", was schade ist. Die Abläufe sind sehr durcheinander und etwas chaotisch aber man kann dennoch einiges erreichen wenn man die richtigen Geräte mit vernünftigen Audiogrammen anpassen kann. Die strahlenden Augen des ersten Mädchens das heute morgen neue Geräte bekam waren alle Mühe wert.
Der Schulleiter versorgt uns ununterbrochen mit frischem Minztee, Gebäck und allerlei Süßem, das wir versuchen sollen, schenkte uns Tonwaren, die hier hergestellt werden und ist stets sehr besorgt, dass es uns auch ja gut geht. Mittags nun wird es hier Fisch geben. Seine Frage, ob Fisch denn für mich ginge beantwortete ich mit nein, denn das seien ja schließlich auch Tiere (Gastfreundschaft hin oder her: Tier ist Tier). Seine Antwort daraufhin: "Nein, nein, Fische sind was ganz anderes!" Aber er hatte ein Schmunzeln auf den Lippen... ich werde mich mit dem leckeren Brot und Gemüse begnügen.
Morgen dann werden wir weiter gen Norden reisen und sehen was und wer uns in Marrakech, Fez und dem Atlasgebirge erwartet. Es bleibt spannend...

Eigentlich wollte ich noch einige Bilder posten, damit ihr einen Eindruck bekommt von dem, was ich schreibe aber das Netz ist äußerst langsam und ich kann sie nicht hoch laden. Vielleicht dann in Portugal in etwa einer Woche.
A bientôt...

Montag, 1. Juni 2015

So weit die Füße tragen...

Nun sind wir schon anderthalb Wochen auf Reisen und ich hatte noch gar keine Gelegenheit mal ein paar Zeilen zu schreiben. Das wird jetzt umgehend geändert:

Unser Trip begann – wie sollte es anders sein – in Frankreich. Nachdem unser Dicker in Mosbach noch hoch gebockt wurde, um den lästigen Aufs und Abs der marokkanischen Straßen auch ja standzuhalten,  überquerten wir in Mulhouse die Grenze und genossen die Fahrt gen Süden über die Nationales. Wir sind keine Autobahnschrubber und haben es auch diesmal meist über die Landstraßen gerockt, wobei unser Ziel ja war, möglichst Frankreich nur als Durchfahrland zu nutzen und uns erst in Spanien die Zeit zu nehmen, auch mal hier und da etwas anzuschauen oder stehen zu bleiben, wo es uns gefällt. Nur schaff das mal im gelobten Land...
In Sête haben wir dann doch einen Aperitif am Strand genossen, die Kids im Sand am menschenleeren Strand gespielt und der Wind pfiff uns ordentlich um die Nase. Das sollte sich auch in Carcassonne nicht ändern, wo wir natürlich ebenfalls Halt machten auf der Tour weiter gen Süden. Es pfiff aus allen Winkeln und der Jüngste konnte sich nur noch im Tuch verkriechen, damit er nicht die Böen in die Augen bekam.
Also setzten wir recht zügig unsere Tour fort und steuerten Perpignan an. Dort allerdings haben wir das Auto nur für einen Schnelleinkauf verlassen können, da der Sturm derart heftig wurde, dass nicht viel gefehlt hätte, und wir wären samt LKW gekippt (gefühlt zumindest).
Die Grenze nach Spanien war dann unspektakulär unscheinbar, hoch oben in den Bergen und alsbald schlängelte sich unsere Route an der Küste entlang immer weiter in den spanischen Süden. Bis Alicante gefiel uns aber tatsächlich nicht, was wir sahen. Bettenburgen, arme und wirklich herunter gekommene Städtchen. Alles in industriellem Einheitsbrei mit vielen Werbeschildern und wenig schönen Abschnitten. Alles fest in touristischer Hand bzw. sollte es dies dann wohl bald sein, wenn der Sommer so richtig Einzug hält. Wir sahen zu, dass wir Land gewannen, besuchten Bekannte bei Alicante und dann ein Freilernerpärchen mit ihren zwei Kindern, die gerade in Südspanien kreative Reisepause machen. Dieser spontane Abstecher war wirklich bereichernd und sehr schön. Die Kinder haben sich im Pool des Hauses vergnügt, das sie derzeit sitten und wir Erwachsenen konnten uns über Veganismus, Freilernen und das Backpackerleben als Familie austauschen bzw. wir von ihnen eine Menge Neues erfahren und lernen.
Sie leben wirklich mein Traumleben: einfach on the road, weg von allen Konventionen, allen Pflichten, allem Müssen... ohne die Kinder in Institutionen schicken zu müssen und abhängig zu sein von Terminkalendern, Wochentagen und Ferienzeiten.
Frei sein einfach...
Mit Rucksäcken bepackt einfach nur von dem leben, was das Haus in Deutschland abwirft und sehen, wohin einen die Lust auf Neues treibt. Ohne festen Wohnsitz, immer der Nase nach, dahin wo es schön ist, schön sein könnte und wohin es einen eben zieht... bewundernswert. Ich würde allerdings die Reise im Dicken bevorzugen, da ich mir schwerlich vorstellen kann mit drei Kleinkindern (eines davon Säugling und Tragling) plus Rucksäcken von A nach B zu ziehen. Wobei...mit dem Dicken nach Asien würde sich vermutlich nicht anbieten...

Wir verließen Motril also wie gesagt mit vielen tollen Eindrücken und erreichten alsbald Tarifa. Gibraltar mit seinem gewaltigen Felsen lag bereits hinter uns, als wir auf dem Camping in Tarifa eincheckten, um noch eine letzte Nacht in Europa zu verbringen, eine Dusche zu genießen und die Kids am Strand herum tollen zu lassen. Ein PLatz voller Engländer und mit netten Kontakten... Am folgenden Morgen dann noch eine Runde whale watching (allerdings leider ergebnislos, da der starke Wind uns zur Ausfahrt im Hafenbecken zwang, was wenig Aussicht auf Erfolg hatte. Wir dürfen die Fahrt aber kostenlos wiederholen, wenn wir aus Afrika zurück kommen.).
Die Überfahrt nach Marokko am gleichen Tag sollte dann etwas zäh werden, stellten wir uns doch vor, dass wir etwa um 20h drüben sein würden wenn wir um halb sechs die Tickets kauften. Pustekuchen: die nächste Fähre sollte um 21h gehen. Soweit so gut. Bis sich herausstellte, dass das erstens marokkanische Zeit (also 22h deutscher Zeit) bedeuten sollte und die Fähre dann auch noch anderthalb Stunden später kam als angekündigt. So fuhren wir um halb zwölf abends aus dem spanischen Hafen aus und erreichten Tanger um halb eins marokkanischer Zeit. Wir waren in der Fähre einfach im Womo geblieben damit die Kinder schlafen konnten und nur die Pässe hatten wir rasch abstempeln lassen. So rollten wir dann auch von der Fähre in den Hafenbereich und übernachteten dort. Alles völlig stressfrei und lediglich etwas spät.

Marokko hat sich nun nach einigen Tagen als unheimlich schön,  geheimnisvoll, vielseitig und spannend gezeigt. Wir hatten durchaus Momente, in denen wir dachten, eventuell in Gefahr zu geraten aber hatten zu keiner Zeit wirklich Angst. Die Menschen, die wir hier treffen und trafen sind stets freundlich und zuvorkommend, hilfsbereit und sehr nett. Natürlich gab es – wie überall auf der Welt – auch zwielichtige Gestalten, von denen man sich lieber fern hielt, aber das ist wie gesagt kein marokkanisches Phänomen.
Kühe, die aus geöffneten Transportertüren hervorlugten, auf offenen Ladeflächen transportierte Pferde und Esel, völlig überladene Autodächer und die Blechdach-Slums von Casablanca waren die vielleicht bisher beeindruckendsten Momente hier. Das Leben spielt sich draußen ab, auf der Straße, auf dem Land, den Feldern und Plantagen. Hinter jedem Baum könnte ein Mensch hervorkommen, es würde nicht überraschen, man geht auf der Autobahn spazieren oder steht mit der gesamten Familie am Straßenrand, in der Hoffnung, per Anhalter in einen entfernten Ort mitgenommen zu werden. Esel sind dominant im Landschaftsbild, magere Pferde und Schafe ebenso.  Immer wieder tauchen Storchennester auf und weiße kranichartige Vögel findet man auch überall. Hunde ziehen durch die von Müll überschwemmten Wiesen auf der Suche nach fressbarem und das Plastikmeer, das sich einem hier in der Natur schier natürlich bietet ist unglaublich für das europäische Auge, das Sauberkeit und Hygiene gewohnt ist und dies wohl auch liebt.
Man fragt sich unweigerlich, ob die Menschen hier nicht um das Problem der Mülls wissen oder es einfach ignorieren... wie dem auch sei: Müll ist allgegenwärtig und wird irgendwann sogar „normal“.

Es ist wunderbar den Muezzin singen zu hören,  die Häuser und Menschen anzuschauen und zu lernen, wie deren Uhren ticken. So anders, so fremd und doch nach einer Weile Zeit in diesem Land irgendwie angenehm vertraut. Das Feilschen auf dem Markt, in den Gassen der Medina, Autofahren mit Menschen, Eseln und Kühen auf der Fahrbahn... alles wird irgendwie alltäglich und das ist wunderbar.
Es ist so erstaunlich festzustellen, dass man mit scheinbar Nichts zufrieden sein kann (oder natürlich auch muss) und dass das Leben aussehen kann, wie es hier eben aussieht. Dennoch lächeln Dir die Menschen hier mitunter häufiger zu als Du es aus der Heimat gewohnt bist. In einem Land, in dem jeder über sein ach so schlimmes Schicksal jammert, ein verspäteter Zug, eine ruinierte Hose, ein Kindergartenstreik uns bereits aus der Bahn werfen... wenngleich hier Menschen in Blechbaracken hausend ihr Land per Hand bestellen und als einziges Hab und Gut eine abgemagerte Kuh vor der Tür auf einer verdörrten, mit Müll übersäten Weide besitzen. Das holt Dich auf den Boden der Tatsachen zurück, macht Dich nachdenklich, dankbar und eigentlich ist es einem auch fast ein wenig unangenehm hier Fotos zu machen, als „Tourist“ herum zu laufen und all die Eindrücke aufnehmen zu wollen.
Ich fotografiere äußerst selten und sauge lieber alles mit den Augen auf muss ich gestehen. Mir ist es wirklich unangenehm die Impressionen, die mich beeindrucken oder bewegen mit der Kamera festzuhalten, die ich dafür auf das Elend, auf den Menschen, richten müsste und ihm damit zeigen würde, dass er ein „Motiv“ für mich ist... vielleicht blöd von mir aber ich kann nicht aus meiner Haut. Mein Sohn hält dafür fleißig seine kleine Kamera auf alles, was er sehenswert findet und es kommen erstaunlich tolle Bilder dabei heraus. Aus noch mal einer anderen Perspektive...

Nun also stehen wir hinter Casablanca in El Jadida in Strandnähe an einem Polizeiposten (in deren Hof) und werden hier die Nacht bewacht verbringen. Campingplätze gibt es selten, wenn dann haben sie diesen Namen auch nicht wirklich verdient und an einer Straße oder auf einem Platz frei stehen ist nicht nur gefährlich sondern auch nervig wenn alle Nase lang jemand an der Türe klopft und bettelt und man sich immer wieder erklären muss. Denn ignorieren kann man es auch nicht...irgendwie...
Hier ist es ruhig, der Beamte (so es einer ist) sitzt hinter dem Haus und schiebt Nachtwache, sagt er. Für umgerechnet 2€ passt er auf, dass niemand sich am Auto zu schaffen macht, was wirklich beruhigend ist. Vor allem, da neben uns soeben ein marokkanisches Mobil eingefahren ist, das ebenfalls hier parken wird. Wenn sogar die Einheimischen nicht außerhalb bewachter Plätze stehen...
Allerdings ist dieser Hüter des Gesetzes fast 80 Jahre alt, hat keine Zähne mehr im Mund und ich frage mich, was er wohl täte wenn randalierende Jugendliche unser Womo zerlegen wollten. Aber ich fühle mich nun einfach erst mal sicher. Es ist sehr schön hier, der Atlantik rauscht in gewohnter Manier brausend an den Strand und die Kinder genießen es nach langer Fahrt nun endlich mal herum zu tollen und Muscheln zu sammeln und in den Wellen zu spielen. Einfach schön...

Wir bereiten uns nun langsam auf die Fahrt nach Agadir vor. Wir werden dort einigen Kindern im „Zentrum für Hörgeschädigte“ Hörgeräte aus Deutschland anpassen und ihnen somit zu Gehör bzw. besserem Hören verhelfen können. Mein Mann wird dem Zentrum die passende Software und einen Computer da lassen, damit die Geräte immer eingestellt werden können. Unsere Idee ist es, immer wieder Hörhilfen nach Agadir zu senden und den Menschen hier zu ermöglichen, mit Hilfe der Kooperation und der nötigen Ausrüstung, die wir ihnen stellen, den Kindern kontinuierlich zu helfen. Ich freue mich schon auf den Besuch und bin gespannt, wie das Ganze anläuft. Anschließend warten Marrakesch, das Atlasgebirge und die Fahrt nach Fez sowie der Norden auf uns, ehe wir gen Portugal aufbrechen werden. Dann gibt es auch sicher wieder Neuigkeiten von mir...


À bientôt also...

Dienstag, 19. Mai 2015

Morgen dann...

... erreichen wir das erste Meer. Endlich. Heute stehen wir an der Rhône und freuen uns vor... So schön Frankreichs Flüsse auch sind: das Meer ist das Meer 😊 

Und wenn wir das Mittelmeer dann erreicht haben, bin ich sehr gespannt auf Spaniens Ostküste. Wir werden Nîmes, den Pont du Gard und Carcassonne auf dem Weg noch mitnehmen und dann Spaniens Osten erkunden. Den kenne ich noch gar nicht und bin sehr gespannt. Und in einer Woche wollen wir dann übersetzen nach Tanger/Marokko...Die Temperaturen versprechen, etwas zu sinken und erträglicher zu werden. Ich hoffe es. Alles über 30...35 Grad ist schon anstrengend... Ich werde berichten. 
Nun aber erstmal gute Nacht und à bientôt aus derzeit Frankreich. 

Donnerstag, 7. Mai 2015

Zeit ist... immer noch knapp

Wie sollte es anders sein: der Plan mal wieder häufiger zu schreiben, Ideen und Kreatives zu teilen ist an der Tatsache gescheitert, dass die Zeit auch nicht mehr wird wenn man sich vornimmt, mehr zu machen. Im Gegenteil. Je mehr auf meiner to do-Liste steht um so knapper wird die Zeit, dies alles zu erledigen so scheint mir. Neben dem Vorsitz unseres Kindergartens, einem in seiner Größe nicht zu verachtenden Haushalt, drei Kids, Häschen und zwei Labels ist dann eigentlich für einen Blog auch wirklich keine Zeit... nichts desto trotz muss man (oder Frau) sich aber auch etwas "gönnen". Und ich schreibe nun mal gerne. Vielleicht dann eben nicht permanent und ausführlichst aber ich schreibe... hier und da, dann und wann und über hoffentlich dann doch mal neue Werke, viele Ideen und ab kommender Woche über ziemlich viele neue Eindrücke - nehme ich an.

Wir starten unsere letzte große Reise (zumindest vorerst, da dann Schulpflicht herrscht) gen Süden. Marokko und Portugal, Spanien und Frankreich warten auf uns. Die Reiseführer (die ich aufgrund des latenten Zeitmangels bisher nur überfliegen konnte) versprechen wundervolle Landschaften, Menschen und Erlebnisse. Ich bin sehr gespannt auf den heißen Norden Afrikas und habe natürlich als blonde Europäerin schon zig bunte Schals parat gelegt, um möglichst unauffällig meinen Aufenthalt genießen zu können. Wobei ich bei dem Gedanken an derzeit 40 Grad und Schal schon ins Schwitzen komme... Aber wenn ich an Fes und Marrakech und das Atlasgebirge denke, das "pure Leben" fernab allen Luxus und aller europäischen Normen, dann ist mir glaube ich die Temperatur echt egal. Ich bin so neugierig auf das bunte Treiben der Märkte, die Mosaikkunst und die Moscheen, die unglaublich schönen Gebäude, die Menschen dort und vor allem freue ich mich auf die Esel.
Ich liebe Esel!!!

Portugal reizt mich besonders wegen des wilden Atlantiks und den felsigen Küsten. Ich bin sehr gespannt auf Lissabon und freue mich darauf, wieder mal portugiesisch zu hören (die Azoren sind schon eine Weile her...).

Spanien kenne ich bisher auch absolut nicht und der Osten mit seinen bekannten Küstenregionen ist sicherlich wunderschön. Auch wenn mich der Norden fast mehr reizt und ich auf den Spuren der Pilger zurück gen Frankreich fahren möchte. Tja und Frankreich kenne ich ja in und auswendig und sehe es dennoch - auch nach nun 35 Jahren - noch immer nicht als reines Durchreiseland sondern genieße jede Sekunde, jeden Kilometer...

Eine Woche voller Vorfreude, vielen Vorbereitungen und einer Menge Arbeit wartet nun also noch auf mich und dann Ihr Lieben werdet Ihr hier hoffentlich öfter etwas zu sehen und zu lesen bekommen. Vom Reisen und Leben "on the road"...

A bientôt also...

Montag, 13. April 2015

Zeit ist... Mangelware

Es ist zum verrückt werden. Ich habe hunderte... ach, was sage ich, tausend Ideen, was ich gerade für Katamar fertigen möchte und wie der Shop sich entwicklen soll und überhaupt... Aber bei aller Euphorie und Planerei fehlt mir einfach die Zeit zur Umsetzung. Was tun ist die Frage?
Ich kann das Baby ja nicht mal eben "ruhig stellen" und mich kurz ne Stunde ins geliebte Nähstudio verziehen. Nachmittags, wenn die Großen eintrudeln, ist ebenfalls keine Zeit und Ruhe, um kreativ tätig zu werden (eher, um kreativ das entstehende Chaos zu beseitigen) und abends bin ich vom Rest des Tages oft dermaßen im Eimer, dass ich keine Nadel mehr halten und keine Maschine mehr rattern hören kann.

Wenn jemand eine Lösung für dieses "Problem" parat hat: bitte her damit.

Gerade habe ich wunderschöne Projekte für den Sommer geplant und wenigstens schon einmal alles bereit gelegt, was ich benötigen werde, um sie umzusetzen. Vielleicht kriege ich ja doch noch die ultimative Idee, dem Tag mehr Stunden zu verleihen und am Ende zufriedener mit mir, dem Tag und aus meiner Arbeit heraus zu gehen. Positiv denken, Hoffnung nicht aufgeben und genießen, was eben gerade ist: Baby on board!

Aber es ist eindeutig auch keine Maßnahme, Katamar für ein Jahr auf Eis zu legen und all das Schöne und Kreative zu verschieben. Den Ausgleich brauche ich einfach... und auch die Bestätigung meiner Arbeit durch zufriedene Kunden. Natürlich ist es schön, vor sich hin zu werkeln und zu nähen und hier und da einen Freundschaftsdienst zu erweisen. Aber mal im Ernst: wirklich happy machen einen die Aufträge fremder Menschen, die die Arbeit, die man macht schätzen und das, was man herstellt gerne kaufen möchten. Also ist es doch verständlich, dass man das Label pflegen und all das Drumherum auch noch gebacken kriegen möchte. Den Blog, facebook fanpage und den shop bei dawanda... Derzeit übrigens wandern viele neue Klamotten von und für Katamar in den wunderbaren Pusteblume-Kinderkleidung-Shop von Freunden. Also wer Lust auf frischen Wind und hübsche Klamotten von mir hat, der darf gerne bei Pusteblume rein schauen und nebenbei auch die tollen ökologischen Klamotten bestaunen (und erwerben), die es dort im Shop von namhaften Herstellern zu kaufen gibt.

Mit dem Blick nach vorne und frohen Mutes sage ich mal schnell à bientôt - das Baby ruft!

Sonntag, 12. April 2015

Home sweet home

Nun sind die Tage auf Elba auch schon wieder vorbei und einmal mehr bewundere ich die Schönheit dieser Insel...



Zuhause erwartet mich jetzt einige Arbeit für den Waldkindergarten, das Label und für die Vorbereitung für unsere lange Reise im Mai. Ja, es geht in vier Wochen schon wieder los und Katamar macht dann irgendwie "Sommerpause".
Genau genommen bin ich allerdings genau zum Sommeranfang in Deutschland, Mitte Juli, wieder im Lande und werde dann den Shop mit vielen bis dahin gefertigten Produkten bestücken können.
Euch erwarten Accessoires wie Täschchen und Schlüsselanhänger, Magnete und allerlei Neues, ebenso wie Kinderkleidung, Stickereien zur maritimen Dekoration Eures Zuhauses... lasst Euch überraschen. Ich schmiede gerade Pläne...

Damit ihr mein kleines Label aber in der Zwischenzeit nicht vergesst und Euch die acht Wochen ohne neue Produkte und Shoppingchancen nicht allzu lang werden, könnt Ihr hier immer mal wieder lesen, wo ich gerade stecke, was es zu entdecken und bestaunen gibt und wie wunderbar die Welt da draußen ist, wenn man auf Reisen geht.
Auf uns warten Marokko, Portugal, Spanien und Frankreich und ich bin sehr gespannt wie wir das Leben unterwegs mit dem jüngsten Mitglied unserer Familie meistern werden. Fünf Menschen, ein LKW und vermutete 6000km Wegstrecke... ein herrliches Abenteuer, das wir da ansteuern.
Momentan kommt mir das Einrichten meines neuen Nähreichs ein wenig dazwischen, denn wo Möbel ein- und ausgeräumt, einsortiert und neu gestyled wird, ist wenig Zeit und Raum für kreatives Arbeiten - erstmal. Und zum Planen der Reise bin ich auch noch nicht gekommen... Aber seht selbst, das neue Reich kreativen Werkens:


Aber Gott sei Dank bin ich ein eher spontaner und positiv denkender Mensch und freue mich auf das, was kommt, auch wenn ich gerade noch nicht weiß, wie ich alles in vier Wochen gerockt bekommen soll.
Außerdem habe ich endlich beschlossen, laufen zu gehen.  Was braucht man dazu: eine Laufananlyee und dann ein paar gute Schuhe, die einen tragen, ohne dass man sich die Gelenke ruiniert.
Ich war begeistert, was der nette junge Mann im Sportgeschäft in der Lage war aus der Bewegung meiner Beine und dem Stand meiner Füße alles zu analysieren. Vor allem, dass er nach Begutachtung meines Laufs auf dem Band beurteilen konnte, welcher Schuh am besten für meinen Fuß und Stand des "Beinwurfs" geeignet sei. Nun ja... einige Euro ärmer aber guter Dinge verließ ich dann den Laden und machte heute nun meine ersten Schritte.

Kopf durchpusten und so... Langsam beginnend lege ich nun 3 mal die Woche je 16 Minuten je 2 Minuten laufend und 2 gehend zurück und steigere mich dann entsprechend des Trainingsplans. Jaja, laufen ist nicht gleich laufen habe ich mir sagen lassen. Ich werde berichten, wie es mir ergeht ;-)

In diesem Sinne: à bientôt.