Donnerstag, 25. Juni 2015

Chefchaouen - die blaue Stadt

Hatte ich eigentlich schon von dem absoluten Highlight in Marokko erzählt?
Der Stadt, die so faszinierend war, dass wir sogar einen Teppich gekauft haben, der dann eingerollt mit uns ins Wohnmobil gezogen ist? Muss ich unbedingt nachholen:

Das Blau des Himmels und des Meeres dieser Tage in Spanien ließ mich nämlich noch mal an diese Stadt denken und Bilder und Eindrücke in Erinnerung rufen, die ich so wunderbar fand:

Chefchaouen heißt das Städtchen im Riffgebirge, das einfach alles, was ich bisher gesehen hatte, in den Schatten stellte. Ich habe weiß Gott schon viele schöne Städte gesehen und bin durch viele enge Gässchen geschlendert, staunend ob der Angebote und Waren die angepriesen wurden. Aber Chefchaouen sollte all das übertrumpfen. Warum?
Nun, wenn man bedenkt, dass Blau meine Lieblingsfarbe ist und die komplette Stadt in blau gehalten ist,  etwas was ich noch nie gesehen habe, stellt sich die Frage schon weniger.
Wenn ich Euch dann noch erzähle, dass sie tausende enger Gässchen und Straßen hat, die einen labyrinthartig in ihren Bann ziehen und voller Leben mit kleinen Geschäftchen, Marktständen und Lädchen ist, versteht ihr vielleicht meine Begeisterung.
Wenn nicht, kommen hier einige Fotos, die meine Eindrücke annähernd versuchen festzuhalten. Wie es sich wirklich anfühlt durch eine komplett blaue Stadt zu laufen kann ich gar nicht beschreiben.  Man hat am Ende den Eindruck, selbst ein bisschen blau zu sein :-)









Und natürlich ist es wie in jedem Souk in Marokko: es wird gehandelt, gefeilscht, Preis geboten und diesmal sind wir einfach – weil der Mann der uns mitten im Treiben ansprach und  uns auf die Teppichknüpferei seines Onkels hinwies – mit gegangen.


Wir hatten genau das vor: uns treiben lassen, schauen wie das Leben spielt und den Tag genießen. So liefen wir in das kleine blaue Haus (wie sollte es anders sein) und bestaunten zunächst den großen Webstuhl, hinter dem sich ein Berber zu schaffen machte, um den Touristen (die noch nicht da waren) zu zeigen, wie die Teppiche in Berberart gewebt werden. Kurz drauf stand ein kleinerer, älterer Herr im Raum, der uns freundlich den typisch marokkanischen Minztee anbot, mit dem Hinweis, dass wir den so oder so bekämen, egal ob wir bei ihm irgend etwas kaufen würden, denn er sei einfach gastfreundlich und der erste Gast am Tag könne eigentlich nur Glück ins Haus bringen (und das waren wir augenscheinlich...).
So saßen wir beisammen und er erzählte uns alles, was man über das Knüpfen, Weben und Färben der traditionellen Teppiche Marokkos so wissen muss. Da er erstaunlich gut Englisch sprach, das er – so sagte er – aufgrund der Touristen irgendwann angefangen hatte, zu erlernen (ganz ohne Schule und Kurse und so), war die Kommunikation ein Leichtes und bald lagen die verschiedenen Teppicharten und Sorten in allen erdenklichen Farben und Mustern vor uns am Boden. 
Zu jedem Teppich hörten wir eine Geschichte, erfuhren woher er stammte und wie die Muster zu erklären sind, die sich darauf kunstvoll wiederfanden. (Natürlich waren wir nicht in die Stadt gekommen, um einen Teppich zu kaufen aber bald wurde uns klar, dass wir vermutlich mit Teppich wieder herauskämen...)

Wie das so ist mit spontanen Entscheidungen und Dingen, die einem einfach „in die Hände spielen“: ein bordeauxrot-elfenbeinfarbener Teppich, der prima in unseren Wohnbereich passen würde, lag am Ende der „show“ noch am Boden und wartete auf  unsere Entscheidung. Natürlich wurde gehandelt und überlegt, gezögert und gefühlt und schließlich sind wir mit Teppich und einer dazu genommenen Kamelhaardecke aus dem Laden gezogen, um einige Euro ärmer aber um einen echten Berberteppich aus dem Atlasgebirge reicher, der uns nun fortan jeden Tag an diese Reise erinnern wird, wenn wir wieder zuhause auf der Couch sitzen.

Ich hoffe er passt tatsächlich „ins Bild“ wenn wir ihn dann in der heimischen Wohnung ausrollen ... aber wir haben bewusst keinen typisch orientalischen Teppich ausgewählt sondern auf klassische Muster der Berberfrauen gesetzt, die wirklich sehr schön sind. Und da die Schafe dort von Hand und Tier um Tier geschoren werden, quasi im Haus der Berber leben, mit ihnen und von ihnen, habe ich als Veganerin keine Scheu gehabt, ihn zu kaufen. Die Kamelhaardecke als „Beigabe“ allerdings wird ins Zimmer meines Mannes verschwinden müssen...

Ich muss sicher nicht erwähnen, dass wir nach nunmehr einigen Wochen, die ins Land gegangen sind immer wieder Momente haben, in denen wir uns anschauen und sagen: „Hier, wir haben echt nen Teppich gekauft gell?!“

Nun aber auf zum nächsten Post aus Spanien... ich glaube ich sollte mal was über's Meer schreiben. 
A bientôt

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