Hatte ich eigentlich schon von dem absoluten Highlight in
Marokko erzählt?
Der Stadt, die so faszinierend war, dass wir sogar einen
Teppich gekauft haben, der dann eingerollt mit uns ins Wohnmobil gezogen ist? Muss
ich unbedingt nachholen:
Das Blau des Himmels und des Meeres dieser Tage in Spanien ließ mich nämlich noch mal an diese Stadt denken und Bilder und Eindrücke in
Erinnerung rufen, die ich so wunderbar fand:
Chefchaouen heißt das Städtchen im Riffgebirge, das einfach
alles, was ich bisher gesehen hatte, in den Schatten stellte. Ich habe weiß
Gott schon viele schöne Städte gesehen und bin durch viele enge Gässchen
geschlendert, staunend ob der Angebote und Waren die angepriesen wurden. Aber
Chefchaouen sollte all das übertrumpfen. Warum?
Nun, wenn man bedenkt, dass Blau meine Lieblingsfarbe ist
und die komplette Stadt in blau gehalten ist, etwas was ich noch nie gesehen habe, stellt sich die Frage
schon weniger.
Wenn ich Euch dann noch erzähle, dass sie tausende enger
Gässchen und Straßen hat, die einen labyrinthartig in ihren Bann ziehen und
voller Leben mit kleinen Geschäftchen, Marktständen und Lädchen ist, versteht
ihr vielleicht meine Begeisterung.
Wenn nicht, kommen hier einige Fotos, die meine Eindrücke
annähernd versuchen festzuhalten. Wie es sich wirklich anfühlt durch eine
komplett blaue Stadt zu laufen kann ich gar nicht beschreiben. Man hat am Ende den Eindruck, selbst
ein bisschen blau zu sein :-)
Und natürlich ist es wie in jedem Souk in Marokko: es wird
gehandelt, gefeilscht, Preis geboten und diesmal sind wir einfach – weil der
Mann der uns mitten im Treiben ansprach und uns auf die Teppichknüpferei seines Onkels hinwies – mit
gegangen.
Wir hatten genau das vor: uns treiben lassen, schauen wie
das Leben spielt und den Tag genießen. So liefen wir in das kleine blaue Haus
(wie sollte es anders sein) und bestaunten zunächst den großen Webstuhl, hinter
dem sich ein Berber zu schaffen machte, um den Touristen (die noch nicht da waren) zu zeigen, wie die
Teppiche in Berberart gewebt werden. Kurz drauf stand ein kleinerer, älterer
Herr im Raum, der uns freundlich den typisch marokkanischen Minztee anbot, mit
dem Hinweis, dass wir den so oder so bekämen, egal ob wir bei ihm irgend etwas
kaufen würden, denn er sei einfach gastfreundlich und der erste Gast am Tag
könne eigentlich nur Glück ins Haus bringen (und das waren wir augenscheinlich...).
So saßen wir beisammen und er erzählte uns alles, was man
über das Knüpfen, Weben und Färben der traditionellen Teppiche Marokkos so
wissen muss. Da er erstaunlich gut Englisch sprach, das er – so sagte er –
aufgrund der Touristen irgendwann angefangen hatte, zu erlernen (ganz ohne Schule
und Kurse und so), war die Kommunikation ein Leichtes und bald lagen die
verschiedenen Teppicharten und Sorten in allen erdenklichen Farben und Mustern vor
uns am Boden.
Zu jedem Teppich hörten wir eine Geschichte, erfuhren woher er
stammte und wie die Muster zu erklären sind, die sich darauf kunstvoll
wiederfanden. (Natürlich waren wir nicht in die Stadt gekommen, um einen Teppich
zu kaufen aber bald wurde uns klar, dass wir vermutlich mit Teppich wieder
herauskämen...)
Wie das so ist mit spontanen Entscheidungen und Dingen, die
einem einfach „in die Hände spielen“: ein bordeauxrot-elfenbeinfarbener
Teppich, der prima in unseren Wohnbereich passen würde, lag am Ende der „show“ noch am Boden und
wartete auf unsere Entscheidung.
Natürlich wurde gehandelt und überlegt, gezögert und gefühlt und schließlich
sind wir mit Teppich und einer dazu genommenen Kamelhaardecke aus dem Laden
gezogen, um einige Euro ärmer aber um einen echten Berberteppich aus dem
Atlasgebirge reicher, der uns nun fortan jeden Tag an diese Reise erinnern
wird, wenn wir wieder zuhause auf der Couch sitzen.
Ich hoffe er passt tatsächlich „ins Bild“ wenn wir ihn dann in der heimischen Wohnung ausrollen ... aber wir haben
bewusst keinen typisch orientalischen Teppich ausgewählt sondern auf klassische
Muster der Berberfrauen gesetzt, die wirklich sehr schön sind. Und da die
Schafe dort von Hand und Tier um Tier geschoren werden, quasi im Haus der Berber
leben, mit ihnen und von ihnen, habe ich als Veganerin keine Scheu gehabt, ihn
zu kaufen. Die Kamelhaardecke als „Beigabe“ allerdings wird ins Zimmer meines
Mannes verschwinden müssen...
Ich muss sicher nicht erwähnen, dass wir nach nunmehr
einigen Wochen, die ins Land gegangen sind immer wieder Momente haben, in denen
wir uns anschauen und sagen: „Hier, wir haben echt nen Teppich gekauft gell?!“
Nun aber auf zum nächsten Post aus Spanien... ich glaube ich sollte mal was über's Meer schreiben.
A bientôt




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